Christian Westerhoff

Seit Januar 2020 zeichnet die Bibliothek für Zeitgeschichte (BfZ) ihre Vortragsreihe in Kooperation mit der Gerda Henkel Stiftung (Düsseldorf) auf. Die Aufnahmen werden auf der Online-Plattform L.I.S.A. kostenlos als Video und Audio bereitgestellt: https://lisa.gerda-henkel-stiftung.de/dossier_bfz_stuttgart. Dadurch stehen die Vorträge, Interviews und Lesungen nicht nur Zuhörern in Stuttgart, sondern weltweit, jederzeit und dauerhaft zur Verfügung. Die Gerda Henkel Stiftung fördert die Forschung in den historischen Geisteswissenschaften und bietet mit L.I.S.A. ein Portal mit einem breiten Angebot an Interviews, Diskussionen, Vorträgen, Dokumentationen und Reportagen.

Hier reiht sich die Vortragsreihe der BfZ mit ihren hochkarätigen Referent*innen wie Benjamin Ziemann, Gerhard Hirschfeld und Hedwig Richter perfekt ein. Dass diese Kooperation Anfang 2020 zustande kam, erweist sich rückblickend als glückliche Fügung. So ergab sich trotz der Corona-Pandemie die Möglichkeit, die geplanten Veranstaltungen zumindest digital durchzuführen. Die beiden aktuellsten Beiträge sind für die Militärgeschichte von besonderem Interesse: Seit dem 18. Januar 2021 steht ein Gespräch mit Christoph Jahr über sein neues Buch „Blut und Eisen. Wie Preußen Deutschland erzwang“ online. Das Interview nimmt die folgenreichen, aber heute weitgehend in Vergessenheit geratenen Jahre 1864 bis 1871 in den Blick. "Nicht durch Reden oder Majoritätsbeschlüsse werden die großen Fragen der Zeit entschieden … sondern durch Eisen und Blut." Mit diesen Worten begründete Otto von Bismarck am 30. September 1862 die Notwendigkeit höherer Militärausgaben. Zwei Jahre später begannen die preußisch-deutschen Kriege gegen Dänemark, Österreich und Frankreich, die das Gesicht Europas grundlegend verändern sollten.

Ein weiteres Gespräch ist für den 15. Februar mit Sönke Neitzel über seinen Bestseller „Deutsche Krieger. Vom Kaiserreich zur Berliner Republik - eine Militärgeschichte“ geplant. Ein Leutnant des Kaiserreichs, ein Offizier der Wehrmacht und ein Zugführer der Task Force Kunduz des Jahres 2010 haben mehr gemeinsam, als wir glauben. Zu diesem überraschenden Schluss kommt Sönke Neitzel, der die deutsche „Kriegerkultur“ in all ihren Facetten untersucht. Seine Bilanz: Soldaten folgen der Binnenlogik des Militärs, sie sollen kämpfen und auch töten. Das gilt für die großen Schlachten im Ersten Weltkrieg, den verbrecherischen Angriffskrieg der Wehrmacht, aber auch für die Auslandseinsätze der Bundeswehr. In einer großen historischen Analyse durchmisst Neitzel das Spannungsfeld zwischen Gesellschaft und Militär und zeigt, wie sich die Kultur des Krieges über die Epochen veränderte. 75 Jahre nach Kriegsende geht es darum, das ambivalente Verhältnis der Deutschen zu ihrer Armee neu zu bestimmen.

Artikeltyp: 
Denitsa Petrova
Veröffentlicht am: 
Montag, 15. Februar 2021 - 8:36